© by Christian Bernhard

Eine Wanderung durch die Rheinschlucht

Im Frühjahr gibt es von Lumbrein aus eine sehr schöne Alternative zu einer Wanderung in die Höhe, denn bei Schneeschmelze ist eine Tour über Alpweiden nicht zu empfehlen. Im Tal, wo die Schmelze schon früher begonnen hat und deshalb im Mai und manchmal schon Ende April vorbei ist, gibt es sehr attraktive Touren, welche erst noch den Vorteil haben, dass sie der Ausdauer und der Kondition angepasst werden können. Eine davon ist der Weg durch die Rheinschlucht. Für die ganze Tour von Ilanz über Versam bis hinauf nach Trin und wieder hinunter zur Bahnstation Trin - Mulin müssen aber schon 5 bis 6 Stunden eingesetzt werden. Für manche mag das zu viel sein, weshalb sich eine Unterteilung aufdrängt. Dann kann auch eine der zahlreichen, gut ausgerüsteten Picknickstellen angepeilt werden, die allesamt in der Nähe des Flusses eingerichtet wurden.

Der erste Teil geht von Ilanz zur Bahnstation Valendas. Er führt vorwiegend dem Lauf des Rheins entlang, enthält kaum Steigungen und ist auch für weniger trainierte in rund 2 Stunden zu machen.

RheinschluchtWer noch genügend Energie hat, wandert weiter nach Versam. Dieser Abschnitt ist etwas anspruchsvoller, weil eine Wegführung dem Fluss entlang nicht durchwegs möglich ist. Das liegt an der Enge der Schlucht, wo sich auch die Bahn noch irgendwie den Weg zwischen dem Fluss und den steilen Felsen suchen muss. Für die Wanderer gibt's deshalb einen kurzen Aufstieg zur Überquerung einer Felspartie, vorbei an der Raststelle beim "Schwarzen Loch". Nach dem Abstieg bietet sich Gelegenheit zu einer Gratwanderung, welche allerdings nicht hoch über dem Rhein Absturzängste verursacht. Es müssen nur die Schutzwälle überquert werden, welche aus dem Geröll des des prähistorischen Bergsturzes aufgeschichtet wurden, um das Bahntrassee vor Erdrutschen zu schützen. Die skurrilen Formen der Felsen in der Rheinschlucht sind aus der riesigen Stein- und Felsmasse gebildet worden, die vor knapp 10'000 Jahren vom Flimserstein und vom Vorab her in die Tiefe gestürzt waren. Das Geröll hat sich zwar seither gefestigt und verdichtet, dennoch stürzen immer wieder Steine und Felsbrocken in die Tiefe und beschädigen die Bahnlinie. Mit Galerien und den Erdwällen hat man die gefährdetsten Stellen zwar gesichert, aber die Felsstelen mit ihren Steinbrocken, die wie Hüte auf der Stange zuoberst im labilen Gleichgewicht sitzen, sind doch sehr beängstigend und wirken bedrohlich. Und der Rhein muss sich den Weg durch dieses Bergsturzareal suchen.

Bildergalerie Ilanz nach Versam

Bildergalerie von Versam zum Crestasee

Nach einem weiteren kurzen Aufstieg auf einem engen Pfad, immer wieder mit Sicht auf die Bahnlinie, nähern wir uns dem Bahnhof Versam und freuen uns auf den Kaffee und ein Stück feine Aprikosenwähe im nahe Gelegenen kleinen LinX-Beizli, was wir uns nach den anderthalb Stunden wandern verdient haben.

Wer jetzt nicht die Bahn besteigt und zurück nach Ilanz fährt oder mit dem Postauto ins Dorf Versam, wandert von dort aus weiter dem Rhein entlang, über den Felsriegel, um den herum sich der Fluss schlängelt, gerahmt von steilen Felswänden. Sobald man den Rhein über die Eisenbahnbrücke überquert hat, beginnt ein steiler Anstieg Richtung nächsthöhere Ebene, welche ungefähr 350 m über dem Talgrund liegt. Dort hat man verschiedene Möglichkeiten die auf Wegweisern sehr gut gekennzeichnet sind:

  1. Den Weg nach Conn zu einem reichhaltigen Zvieriteller im dortigen Restaurant, wo auch ein Besuch der spektakuläre Plattform hoch über Versam zu empfehlen ist; nicht Schwindelfreie bekämen allerdings Herzflimmern und Schweissausbrüche!
  2. Den Weg zum idyllischen Crestasees, dessen kaltes Wasser wohl für manche unwiderstehlich ist und sie zum Baden lockt, was von den meisten andern aber lieber vom Rand aus beobachtet wird. Auch hier gibt es Gelegenheit, seinen Durst zu löschen und den Hunger zu stillen.
  3. Den Weg zum langsam austrocknenden Caumasee, ebenfalls mit Bademöglichkeit und Verpflegungsstätte
  4. Den direkten Weg nach Flims für Shopping - Fans.
  5. Wer einfach weiter wandern will, kann sich über Trin wieder talwärts begeben und beim Bahnhof auf den nächsten Zug warten. Falls dieser auf sich warten lässt, kann sich die Wartezeit mit Betrachten der vielen kunstgewerblichen Artikel verkürzen, die dort zum Kauf angeboten werden. Und im ehemaligen Warteraum werden Getränke und kleine Snacks angeboten.

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